Thanatos

Gibt das Bewusstsein eine strukturelle Identifikation auf, stirbt es für diese Struktur, auf der es sich befand. Es akzeptiert so das Sterben – den Thanotos jener Ebene. So ent-identifiziert es sich von dieser Struktur, und durch das Sterben transzendiert es diese Stufe. Sobald das Verlangen nach einem Ersatz, nämlich der Eros von Thanatos überwunden wird […]

über Eros – Thanatos — Art of Arkis

„Kalt werden müssen wir alle, mein Sohn, aber bei den meisten bringt es das Leben nicht zustande, und da muss es der Tod besorgen. Sterben und Sterben ist nicht dasselbe.

Die Sterbestunde ist nur der Moment einer Katastrophe, in der alles wie von einem Sturmwind fortgerissen wird, was im Menschen während der Lebenszeit nicht hat zermürbt werden können. Man kann auch sagen: Der Wurm der Zerstörung zernagt zuerst die weniger wichtigen Organe. Das ist das Altern. Trifft sein Zahn die Lebenspfeiler, so stürzt das Haus zusammen. Das ist der normale Verlauf.

Der Geschlechtstrieb – ob er sich nun offenbart wie bei der Jugend, oder ob er sich versteckt wie beim Greis – ist die Wurzel des Todes; sie auszutilgen, ist das vergebliche Bemühen aller Asketen. Sie sind wie der Sysiphus, der ruhelos einen Felsen den Berg hinaufrollt, um voll Verzweiflung sehen zu müssen, dass er vom Gipfel wieder in die Tiefe stürzt; sie wollen das magische Kaltsein erringen, ohne das es kein Übermenschentum gibt, und fliehen das Weib; und doch ist es nur das Weib allein, das ihnen Hilfe bringen kann. Das Weibliche, das hier auf Erden vom Manne getrennt ist, muss in ihn einziehen, muss ihn in eins verschmelzen; dann erst ist alle Sehnsucht des Fleisches gestillt. Erst wenn diese beiden Pole einander decken, dann ist die Ehe – der Ring – geschlossen, dann ist die Kälte da, die in sich selber bestehen bleibt, die magische Kälte, die die Gesetze der Erde zerbricht, die nicht mehr der Gegensatz der Wärme ist, die jenseits liegt von Frost und Hitze und aus der wie aus dem Nichts hervorquillt alles, was die Macht des Geistes gläubig zu erschaffen vermag.

(Auszüge aus Kapitel 14 „Der Weiße Dominikaner“, Meyrink)

Im Hintergrund sehe ich  Chidon Chimadon still schmunzeln, da er doch weiß, dass das Liber T. von .717 noch aussteht 😉

Gruß, effx.

 

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4 Comments

  1. In gewissem Sinne haben die ganz recht, die lachen, wenn einer sagt, er wolle die Menschheit umgestalten. – Sie übersehen bloß, daß es vollkommen genügt, wenn ein einzelner sich bis in die Wurzeln umgestaltet. Sein Werk kann dann niemals vergehen, – gleichgültig, ob es der Welt bekannt wird oder nicht. So einer hat ein Loch ins Bestehende gerissen, das nie mehr zuwachsen kann, ob es jetzt die andern gleich bemerken oder einen Million Jahre später. Was einmal entstanden ist, kann nur scheinbar verschwinden. So ein Loch in das Netz zu reißen, in dem die Menschheit sich verfangen hat, – nicht durch öffentliches Predigen, nein: Indem ich selbst der Fessel entrinne, das ist’s, was ich will.“

    (Das grüne Gesicht, von Gustav Meyrink, Kapitel 8 …)

    https://arkisart.wordpress.com/2016/07/24/mutant/

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    1. „Es ist möglich zu beharren, stur zu beharren, auch wenn wir wissen, daß es sinnlos ist, was wir tun. Allerdings müssen wir dabei im voraus wissen, daß unser Tun sinnlos ist, und dennoch so handeln, als wüßten wir es nicht.
      Das ist die kontrollierte Torheit eines Zauberers.“

      (Don Juan, irgendwann)

      Gefällt 1 Person

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